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Deep-Purple-Legende Jon Lord ist tot - 16.07.2012

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Sein begnadetes Spiel auf der Hammond-Orgel begeisterte Millionen von Fans, mit seiner Band Deep Purple schrieb er Klassiker der Rockgeschichte und legte so das Fundament für völlig neue Genres. Jetzt ist der Tasten-Virtuose Jon Lord im Alter von 71 Jahren gestorben.

 

(© dpa)

Jon Lord dies at 71

Eigentlich konnte ja fast niemand als Teenager in den späten Siebzigern, in den Achtzigern oder gar noch Neunzigern in Deutschland aufwachsen, ohne sein Orgelspiel wenigstens einmal kurz zu hören. Eigentlich entkam niemand Jon Lords Fingern.

Wer damals, als die Clubs noch Diskotheken hießen, spät nachts öfter mal eine mit Kunstnebel oder Tabakqualm verdunkelte Tanzfläche betrat, vor allem in der Provinz, der wird mit einiger Wahrscheinlichkeit irgendwann "Child In Time" gehört haben, neben Led Zeppelins "Stairway To Heaven" wohl der bekannteste und beliebteste Rock-Rausschmeißer. Und wer heute noch ab und an mal traditionelles Radio hört, kommt kaum an "Smoke On The Water" vorbei, dem Über-Hit von Deep Purple, erdacht am Genfer See, als die Band dort ihr Album "Machine Head" aufnahm und der Rauch des brennenden Casinos von Montreux über dem Wasser emporstieg.
Man muss also eigentlich irgendwann über die englische Band stolpern, die vom Beginn der Siebziger bis zur Mitte des Jahrzehnts ihre kreativste Phase hatte und die mit Alben wie "Deep Purple In Rock" (1970), "Fireball" (1971), "Machine Head" (1972) oder "Burn" (1974) den modernen Hardrock mit definierte. Und die zugleich wesentliche Elemente dessen vorwegnahm, was heute als eines der kommerziell erfolgreichsten Genres im Geschäft gilt: Heavy Metal in all seinen Spielarten.
Weit über 100 Millionen verkaufte Platten
Kenner können vermutlich mit Genuss darüber streiten, welcher Song der beste, der schönste oder wichtigste ist, den Deep Purple je veröffentlicht haben. Viele würden "Smoke On The Water" nennen, andere "Child In Time", das mit einem sphärischen Orgel-Intro von Jon Lord begann, wieder andere "Speed King" oder "Highway Star", atemlose Kracher, deren halsbrecherisches Tempo erst die Metal-Bands der Achtziger wieder erreichten, noch mal andere das ebenso hymnische wie treibende "Burn" oder das zwölfminütige Opus "April", das besonders Lord einen spektakulären Auftritt verschaffte.
Unstrittig ist jedoch: Ohne Lord wäre viele dieser Klassiker nie geschrieben worden. Ohne seine virtuosen, herrlich warmen, oft rasanten und stets charakteristischen Klangmalereien auf der Hammond-Orgel wäre die Geschichte der Rockmusik um einige ergreifende Momente ärmer. Und ohne ihn hätten Deep Purple ein paar Platten weniger verkauft, als die weit über 100 Millionen, die Branchen-Experten für sie veranschlagen.
So eine Zahl ist leicht geschrieben. Was sie bedeutet, ist schwerer zu ermessen: Deep Purple standen bis zu ihrer ersten Trennung im Jahr 1976 zumindest in kommerzieller Hinsicht mit den Rolling Stones oder Led Zeppelin auf einer Stufe, sie füllten Stadien und Arenen auf der ganzen Welt. Was die Fans den englischen Hardrockern an Zuneigung entgegenbrachten, versagten ihnen manche Musikjournalisten jedoch - und tun es bis heute. Die Kritiker-Intelligenzija verlacht Deep Purple nicht, aber sie belächelt die Band bisweilen ein wenig. Das mag an manchen Texten liegen, die - besonders in der Ära von Sänger David Coverdale ab 1973/74 - einen Hang zum nerdig-männlichen Fantasy-Eskapismus aufweisen. Aber es lag sicher auch an Lord und seiner Aura.
Der Maestro gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Band, die bis 1968 Roundabout hieß und ja nur entstanden war, weil zwei Londoner Geschäftsleute fanden, Rock sei doch mal eine gute Investition. Sein Spiel auf der Hammond-Orgel machte den Purple-Sound einzigartig.
Aber der Tasten-Virtuose, geboren am 9. Juni 1941 in Leicester in Mittelengland, war eben auch derjenige, der mit fünf Jahren bereits klassisches Klavierspiel erlernte. Der als Schauspielstudent in London mit Jazz experimentierte und unter dessen maßgeblicher Regie 1969 Deep Purples Bombast-Experiment "Concerto for Group and Orchestra" aufgenommen wurde, aufgeführt in der altehrwürdigen Royal Albert Hall zu London, dirigiert von Malcolm Arnold. 1974 und 1976 gingen aus Lords Zusammenarbeit mit dem Komponisten Eberhard Schoener dann "Windows" und vor allem "Sarabande" hervor - seine wohl bekannteste klassische Arbeit.
Der seriöse Hardrocker
Und wenn Lord sich bei Live-Konzerten von Deep Purple konzentriert über sein Instrument beugte, dann führte das trotz der einen oder anderen Showeinlage eben doch eher dazu, dass das Publikum in gespannt erregter Verzückung auf die Bühne blickte, statt das Gestühl im Saal zu zerlegen. Jon Lords Gestus war nicht der der Subversion, wie es das Pop-Feuilleton so gerne mag. Er war eher seriös. Ätzende Kritiker würden sagen: prätentiös.
"We're as valid as anything by Beethoven", sagte Lord 1973 dem Magazin "New Musical Express". Sein wohl berühmtestes Zitat bringt Lords Haltung bestens auf den Punkt: Deep Purple waren für ihn kein Vehikel für gesellschaftliche Rebellion, sondern für musikalische Perfektion. Das teilte er mit dem gleichfalls genialischen Gitarristen Ritchie Blackmore. Seite an Seite fanden die zwei bei Deep Purple zu Höchstform - und waren zugleich Gegenspieler. Während Lord die psychedelischen, progressiven und klassizistischen Elemente betont sehen wollte, versuchte Blackmore die gitarrendominierte Seite der Band zu stärken.
 
Dass Lord jedoch kein weltabgewandter Art-Rocker war, demonstrierte er sehr bald, nachdem Deep Purple sich 1976 das erste Mal getrennt hatten. Kurz darauf stieg er bei Whitesnake ein, der Band von Ex-Purple-Sänger David Coverdale, die noch nicht den Cock Rock der späten Achtziger zelebrierte, sondern herzhaften Blues-Hardrock spielte.
Der Dauerzwist mit Blackmore führte im Übrigen nicht dazu, dass der Weg zurück versperrt war. Lord stimmte 1984 einer Reunion zu (zunächst in der klassischen Besetzung der frühen Siegziger), "Perfect Strangers" aus dem selben Jahr und "The House of Blue Light" von 1987 waren kommerziell und künstlerisch recht erfolgreich, weitere Alben folgten. Erst 2002 stieg Lord aus, die Live-Verpflichtungen des Rock-Imperiums Deep Purple erschöpften den damals schon über 60-Jährigen, seine Bitte um eine einjährige Pause blieb von seinen Bandkameraden unerfüllt.
Ganz die Finger still halten konnte er aber nicht. Für die ehemalige Abba-Sängerin Anni-Frid Lyngstad komponierte er den Song "The Sun Will Shine Again", er gründete eine Blues-Combo namens Hoochie Coochie Men und war bis zuletzt auf der Bühne zu sehen. Erst vor wenigen Wochen hatte er einen Auftritt in Deutschland abgesagt. Damals hieß es auf seiner Website, dass es "keinen Anlass zur Sorge" gebe. Am Montag lasen sich die Nachrichten dort trauriger. Jon Lord, der an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war, sei in einem Londoner Krankenhaus im Kreis seiner Familie dahingeschieden. In einem kurzen Nachruf hieß es: "Jon geht aus der Dunkelheit ins Licht."

Quelle: Spiegel Online